Unternehmenschef Johannes Schlamminger (rechts) und sein Mit-Geschäftsführer Raoul Bader präsentierten vor Wochen die Fünf-Millionen-Investition einer neuen Crashtest-Anlage. Auch dies sollte ein Ja zum Standort Bayreuth sein. © Eric Waha

Eine neue Dependance in München. Wenn aus dem Haus Cybex eine solche Nachricht kommt, dann wittern manche die Gefahr, das Unternehmen könnte aus Bayreuth weg. „Auf gar keinen Fall“, sagt Chef Hannes Schlamminger. Außerdem eröffne nicht Cybex, sondern die Muttergesellschaft Goodbaby einen neuen Standort. Aber ein bisschen was hat es auch mit Bayreuth zu tun.

Ganz entspannt sitzt Schlammingerin seinem Büro. Der Entschluss, eine neue Dependance in München aufzumachen, ist noch komplett frisch. So frisch, dass noch niemand die wesentlichen Fragen beantworten kann: Wann? Wo in München? Wie viele Mitarbeiter wird es geben? Was wird es kosten? Die eigentliche Frage aber kann Schlamminger beantworten, der den Titel CEO von Cybex und Goodbaby Executive Vice President Brands trägt. Bleibt Cybex in Bayreuth? „Bayreuth ist und bleibt europäisches Headquarter. Hier ist die Wurzel, hier ist die Historie.“ Und die Firma bleibt da. Allerdings kann er verstehen, dass die Nachricht von einem neuen Standort in Bayern auch in den eigenen Reihen Ängste schürt. „Völlig zu Unrecht.“ Und wie zum Trotz: Vor ein paar Tagen hat Cybex den ersten Kinderwagen mit Elektroantrieb vorgestellt. Entwickelt in Bayreuth und Prag: Beim „e-PRIAM“ erkennen Sensoren im Griff die Schubkraft, die Eltern beim Bergauf- oder Bergabschieben, auf Schotterpisten oder im Gelände einsetzen. Ausgeklügelte Algorithmen melden an die Motoren, die an der Hinterachse sind, wann sie unterstützend eingreifen sollen.

Fazit also: Erstens werde Cybex keinen zusätzlichen Standort in München aufbauen, sondern die chinesische Muttergesellschaft Goodbaby. Und zweitens ist das für die Firma längst nichts Neues mehr. 18 Standorte hat sie in Europa, „das ist ein zusätzlicher“, sagt Schlamminger. Und es sei ein Beleg dafür, dass Goodbaby – und auch Cybex, die „Expansion beschleunigt“. Dies sei auch in anderen Unternehmen zu beobachten, die ihre Wurzeln jenseits der Metropolen hätten, wie ein Blick zu den Sportartikelherstellern in Herzogenaurach zeige. Und zweitens verweist Schlamminger auf die Investitionen in und Pläne für den Standort Bayreuth. Gerade hat das Unternehmen für fast fünf Millionen Euro eine Crashtest- Anlage zum Testen von Kindersitzen in Betrieb genommen. Zweitens ist es dabei, den Standort um 7500 Quadratmeter zu erweitern. Denn auch das Forschungszentrum des Unternehmens soll ausgebaut werden. „Das läuft auf Hochtouren.“ Neue Fenster sind da, eine große Lichtkuppel werde in vier Wochen eingebaut. „Cybex wächst“, sagt er, um seine Standorttreue zu unterstreichen. Die Mitarbeiter merkten, es tue sich was, es werde investiert. Nichts, was den Zweifel nähren könne. Außerdem suche man immer noch mehr als 100 Mitarbeiter. „Es mangelt nicht an Ideen“, so Schlamminger, „aber wir brauchen Leute, um diese umzusetzen.“

Ziel des neuen Standorts sei es, den Digitalisierungsprozess der Firmengruppe voranzubringen, heißt es in einer Pressemitteilung von Goodbaby. „Neben den notwendigen Fachkräften, die dafür notwendig sind, ist die Auswahl an passenden Agenturen und Dienstleistern ideal“, heißt es weiter. Da klingt ein altes Bayreuther Problem durch: Es ist zunehmend schwerer, Fachkräfte in die Region zu bekommen. Das räumt der Cybex- Chef ein. Und verweist auf Erlangen. Dort sei die Zuganbindung besser und es gebe eine internationale Schule. Und für ein international aufgestelltes Unternehmen ist die weltweite Anbindung entscheidend: „Der internationale Flughafen ist in München.“ Allerdings wird es auch dort nicht so leicht, an Fachkräfte zu kommen. „Auch dort herrscht fast Vollbeschäftigung.“

Klare Worte richtet der Chef an die lokale Politik. „Vielleicht ist dies ein Ansporn an die Politik, den Standort Bayreuth in Sachen Infrastruktur attraktiver zu gestalten“, sagt er. Die Stadt verkaufe sich „leicht unter Wert“. Die Region sei jedoch extrem lebenswert, insbesondere für Familien, dies müsste viel mehr nach außen getragen werden.

Von: Otto Lapp, Nordbayerischer Kurier

 

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