In fast allen Berufen haben junge Leute in diesem Jahr eine Chance

Das Handwerk bietet jungen Menschen viele Berufe und
hervorragende Perspektiven. Foto: Robert Kneschke – stock.adobe.com

Im Herbst startet das neue Ausbildungsjahr und für viele junge Menschen geht es jetzt darum, einen Ausbildungsplatz zu finden. Das Handwerk mit seinen vielfältigen Berufen, aber auch den meist inhabergeführten Betrieben bietet da gute Perspektiven. Die aktuelle Situation schildert Frank Grökel, Leiter Ausbildungsberatung und Nachwuchsförderung bei der Handwerkskammer für Oberfranken.

Wie ist die aktuelle Situation der Ausbildungsplätze im Handwerk in der Region?

Frank Grökel: Die Corona-Pandemie hat leider auch bei der Entwicklung der Ausbildungsplätze im Handwerk eine Delle hinterlassen. 2020 schlossen im oberfränkischen Handwerk etwas mehr als 1900 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag ab. Das sind 8,5 Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor. Damit haben wir zwar weniger Einbruch als die meisten anderen Branchen, aber dennoch wollen wir das natürlich nicht hinnehmen. Uns fehlt der Schub aus den sonst etablierten Maßnahmen zur Berufsorientierung wie Ausbildungsmessen, Praktika, persönliche Kontakte in den Schulen und stark rückläufige Beratungsgespräche. Das wollen wir in diesem Jahr wieder ändern. Daher sind wir auch bei der Ausbildungsmesse FUTURE.gram natürlich mit dabei.

Welche Ausbildungsberufe sind besonders gefragt? Wo gibt es noch freie Ausbildungsplätze?

Die beliebtesten Ausbildungsberufe sind bei den Jungen seit vielen Jahren Kfz-Mechatroniker, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie Elektroniker. Bei den Mädchen sind es Friseurin, Kauffrau für Büromanagement und Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk. Sowohl in diesen Berufsfeldern als auch ganz generell gibt es im gesamten Handwerk genügend offene Ausbildungsplätze. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer für Oberfranken sind momentan 267 offene Lehrstellen und 17 Praktikumsplätze gelistet, es gibt aber weitere Möglichkeiten. Auf jeden Fall lohnt sich für alle Interessenten also ein Blick in die Liste der aufgeführten Ausbildungsberufe.

Warum Ausbildung im Handwerk? Welche Perspektiven bietet das Handwerk?

Ein wichtiges Argument liefert aktuell eigentlich die Pandemie: Das Handwerk hat kaum Arbeitsplätze verloren, die Mitarbeiter werden auch in schwierigen Zeiten gehalten, die Arbeitsplätze sind sehr sicher. Außerdem ist das Handwerk für viele Jugendliche attraktiv. Denn es bildet genau die Werte ab, die heute bei den jungen Männern und Frauen zählen. Handwerkliche Arbeit stiftet Sinn, mit den eigenen Händen etwas zu erschaffen erfüllt. Außerdem ist das Handwerk die Branche, die regional wirtschaftet, sichere Ausbildungsplätze direkt vor Ort anbietet und Werte nicht nur schafft, sondern auch erhält. Genau diese Faktoren zählen nach vielen maßgeblichen Jugendstudien zu den wichtigsten Kriterien, die ein künftiger Beruf für die Jugendlichen haben soll. Nicht zu vergessen die ausgezeichneten Karriereperspektiven. In keiner anderen Branche kann man so schnell Führungsaufgaben übernehmen oder gar sein eigener Chef werden. Neben der klassischen Ausbildung besteht seit kurzem im oberfränkischen Handwerk sogar die Möglichkeit, ein triales Studium zu absolvieren – also Ausbildung, Meistertitel und den Abschluss zum Bachelor of Arts in einem Paket zu machen. Das ist übrigens in Bayern bislang einzigartig.

 Lockdown und Wirtschaftskrise: Wie geht das Handwerk in der Region damit um? Wie ist das Thema Ausbildung davon tangiert?

Fast das komplette Handwerk arbeitet in der Corona-Pandemie weiter und hält so die Wirtschaft am Laufen. Aber natürlich sind auch Betriebe des Handwerks vom Lockdown betroffen. Sie wünschen sich jetzt von der Politik schnelle Lösungen zu stufenweisen Lockerungen im Rahmen von individuellen Hygiene- und Schutzkonzepten. Diese hält das Handwerk längst bereit. Kann das Handwerk wieder auf „Normallast“ arbeiten, erholt es sich sehr schnell. Das hat sich letzten Sommer gezeigt. Und dann wird sich das sicherlich auch wieder stärker auf das Engagement in Sachen Ausbildung auswirken. Denn Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerker werden dringend gesucht und gebraucht. Deshalb werden wir auch nicht müde, für eine Ausbildung im Handwerk zu werben. Ein Beispiel dafür ist unsere vor kurzem gestartete, cross-mediale Kampagne zur Nachwuchsgewinnung. Sie steht unter dem Motto „Das Beste, was Du werden kannst: Du selbst!“ und soll junge Menschen aber auch ihre Eltern von den Vorteilen einer Ausbildung im Handwerk überzeugen.

Details dazu unter www.hwk-oberfranken.de/Ausbildung

Expertenkontakt

Handwerkskammer für Oberfranken
Frank Grökel
Leiter Ausbildungsberatung und Nachwuchsförderung

Telefon: 0921 910-190
E-Mail: frank.groekel@hwk-oberfranken.de
www.hwk-oberfranken.de/ausbildung

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